Türmomente - Adventsandacht der Regionalbischöfin

Türklinke Eingang
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Wie oft geht man völlig gedankenlos durch eine Tür. Es gibt so viele davon: Ganz gewöhnliche Zimmer-türen und Haustüren. Aber auch Drehtüren, Schiebetüren, Glastüren, Feuerschutztüren.
Für manche brauchen wir einen Schlüssel oder müssen an einer Pforte vorbei.

Auch im Psalm 24 gibt es so einen „Türmoment“.
Zuerst ertönt die Aufforderung:
„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“
Statt aber die Tür sofort zu öffnen, kommt die Gegenfrage: „Wer ist der König der Ehre?“
Die Antwort darauf lautet: „Es ist der Herr stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit“.
Daraufhin erneut die Aufforderung: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“
Und wieder die Frage: „Wer ist der König der Ehre?“, gefolgt vom Bekenntnis: „Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre!“

Eine tolle Szene! Man kann sich sofort in beide Seiten hineinversetzen.
Jeder von uns war ja schon mal vor oder hinter einer Tür gestanden.
Und je nachdem, was für eine Tür es ist, kann das eine ganz schön angespannte Situation sein.
Wenn man etwa vor der Tür eines Krankenzimmers in der Klinik steht und jemanden besuchen will.
Dieses angespannte Gefühl im Bauch und die Unsicherheit: Wie wird wohl dieser Besuch sein? Freut sich mein Gegenüber, dass ich komme? Bin ich der Situation gewachsen?
Oder wenn man zum ersten Mal neu durch eine Tür muss, etwa am ersten Schultag oder im neuen Job. Wie sind die da wohl so? Wie soll ich mich verhalten?

Aber auch hinter der Tür kann es sich unterschiedlich anfühlen.
Wer ist da? Will ich, soll ich öffnen?
Was so banal klingt, kann einen in der konkreten Situation ganz schön fordern.
Vielleicht will ich als Patientin gerade keinen Besuch.
Vielleicht schäme ich mich für meine Unordnung zuhause, wenn jemand spontan vor der Tür steht.
Vielleicht will ich gar nicht, dass sich mit der neuen Kollegin etwas an meiner Arbeitssituation verändert.

Und dann gibt es ja noch diese anderen „Türmomente“.
Da, wo man eine Entscheidung treffen muss, wo man innerlich durch eine Tür durchmuss.
Oder es klopfen Nachrichten und Informationen bei mir an. Womöglich will ich die gar nicht hören, weil sie schlimm sind oder weil meine Welt durcheinandergerät. Trotzdem muss ich mich irgendwie damit auseinandersetzen. Sie bleiben hartnäckig klopfend draußen stehen und wollen rein.

Es gibt so unendlich viele „Türmomente“ im Leben.
Und allen ist eines gemeinsam: man überschreitet in ihnen eine Schwelle. Und die Situation ändert sich damit total. Sobald man durch die Tür durch ist, lässt man das „außen“ hinter sich und muss sich mit dem „innen“ auseinandersetzen.

Im Psalm ist es eine liturgische Situation, also vielleicht ein Teil aus einem Gottesdienst.
Und der „Türmoment“ wird darin zu einer Bekenntnissituation. Wie übrigens der ganze Psalm 24.
Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre!
Auch ein Bekenntnis ist eine Schwelle, die man überschreitet.
Wie passend also, dass das neue Kirchenjahr am Ersten Advent mit diesem Psalm beginnt. Es ist ja auch eine Schwelle. Und mit dem nach Psalm 24 entstandenen Lied „Macht hoch die Tür“ wird der Im-puls noch verstärkt.
Da heißt es in V.5:
„Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.“

Das finde ich gerade jetzt wichtig! Auch, wenn es Vielen von uns angesichts der krisenhaften Zeiten schwerfällt: Stimmen wir nicht in die Kakophonie um uns herum ein!
Ich wünsche mir, dass wir stattdessen immer wieder auf dieses Anklopfen Gottes hören. Dass wir unse-re Herzenstüren offenhalten – trotz allem oder gerade erst recht! Geben wir Gott die Chance, in unseren Herzen und Leben anzukommen.


Gebet:
Du liebender Gott, hilf uns genau hinzuhören, wer an unsere Tür klopft.
Hilf uns, uns für dich und die Menschen um uns herum weit zu öffnen.
Schenke uns Hoffnung und erfülle unsere Herzen mit Deiner Liebe.
Amen.