Ein Regisseur, Theologe und Systemüberblicker wird verabschiedet

Der Nürnberger evangelische Regionalbischof, Oberkirchenrat Stefan Ark Nitsche (65), ist zum Jahreswechsel in den Ruhestand getreten. Am 10. Januar wurde er in einem Gottesdienst in der Nürnberger Gustav-Adolf-Kirche von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm von seinem Amt entpflichtet und verabschiedet. Nitsche hatte die Stelle des Regionalbischofs des Kirchenkreises Nürnberg 14 Jahre lang mit seiner Frau Elisabeth Hann von Weyhern (57) geteilt. Seit 1. Januar übernimmt sie die Stelle allein.

In seiner Predigt sagte Regionalbischof Nitsche im Rückblick auf seine berufliche Karriere, dass ihn ein Satz aus dem Buch des Propheten Jeremia im Alten Testament ermutigt habe, sich von Gott umdrehen zu lassen, wenn er in einer Sackgasse steckte. „Sich helfen lassen beim Umkehren ist kein Beinbruch, keine Niederlage und auch nicht peinlich. Es fällt mir immer wieder neu schwer, aber es tut so gut, wenn ich es zulasse.“ Es schmerze ihn, „aktuell mitzuerleben, wie oft und wie viele sich in diesen Tagen selbst aus der Verantwortung nehmen und lieber in wohlfeile Fundamentalopposition gehen, statt in ihrem Bereich das Ihre zu tun, damit die Tür in Zukunft nicht zufällt“.  

Landesbischof Bedford-Strohm würdigte Nitsche als eine ungewöhnlich vielseitige Persönlichkeit. Nach einer ersten beruflichen Karriere als Regisseur wurden nach seinem Theologiestudium und der Ausbildung zum Pfarrer in der Kirche seine „besonderen Gaben“ entdeckt, so der Landesbischof. Es blieb nicht verborgen, „dass hier nicht nur ein Mensch mit weitem Horizont in Kultur und Gesellschaft, nicht nur ein theologisch hervorragender Kopf am Werk ist, sondern auch ein Pfarrer mit hoher menschlicher, kommunikativer und seelsorgerlicher Kompetenz“. Insbesondere würdigte Bedford-Strohm die beeindruckenden Ergebnisse des landesweiten Prozesses „Miteinander der Berufsgruppen“ unter Nitsches Leitung. „Sie waren so beeindruckend, weil in seiner Arbeit dafür all das in einzigartiger Weise zusammenkam, was es für den Erfolg braucht: sachliche Kompetenz, kommunikative Stärke, Führungsfähigkeit und in allem menschliche Souveränität - eben ein gewinnendes Wesen.“

Die Präsidentin der bayerischen Landessynode, Annekathrin Preidel, würdigte Nitsche in ihrem Grußwort als „großartigen Regisseur“. Sie habe immer gewusst, „dass nichts schiefgehen kann, wenn Ihnen bei welcher Gelegenheit auch immer die Regie übergeben wurde“. Nitsche habe „das Schiff der Kirche im besten Sinne undramatisch und unaufgeregt durch die Untiefen der Zeiten navigiert“. Er werde fehlen „als Regisseur, Stratege, Planer, Menschenkenner, Theologe und Systemüberblicker im Wortsinn des griechischen Episkopos - des Bischofs“, so Preidel.

 

Aufgrund der Corona-Einschränkungen war der Besuch des Verabschiedungsgottesdienstes nur wenigen geladenen Gästen möglich.

Der Gottesdienst und die anschließenden Grußworte wurden im Livestream übertragen und sind weiterhin abzurufen:

https://www.bayern-evangelisch.de/verabschiedung-regionalbischof-dr-stefan-ark-nitsche-3723.php

 

Kurzbiografie:

Prof. Dr. Stefan Ark Nitsche, 1955 in Salzburg geboren, war von 1974 bis 1985 tätig als Regisseur, Dramaturg, Autor, u.a. in München, Wien und Salzburg.

Von 1985 bis 1990 studierte Nitsche Evangelische Theologie und war von 1993 bis 2000 als Pfarrer und wissenschaftlicher Assistent an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau tätig, anschließend von 2000 bis 2005 als Theologischer Planungsreferent der ELKB gemeinsam mit seiner Ehefrau. Seit dem 1. März 2006 war er Regionalbischof im Kirchenkreis Nürnberg in Stellenteilung mit seiner Ehefrau. 2015 wurde er im Amt des Regionalbischofs wiedergewählt. Seit 2011 ist Nitsche außerplanmäßiger Professor für Altes Testament an der Augustana Hochschule Neuendettelsau und übt eine Lehrtätigkeit an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen aus. In den Jahren 2013 bis 2016 hatte er die Leitung des Prozesses „Berufsbild: Pfarrer/Pfarrerin“ inne und seit 2017 die Leitung des Prozesses „Kirchliche Berufsgruppen Miteinander“.