Statement der Regionalbischöfin bei der Kundgebung "Nein zu Judenhass"

Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern

Statement bei der Kundgebung "Nein zu Judenhass" am 23.5.2021

"Wir stehen gemeinsam da

als Nürnbergerinnen und Nürnberger

als Bürgerinnen und Bürger unseres Staates

als Glieder unserer Gesellschaft

als Christin sage ich: auch als Glieder der einen Familie Gottes

 

In dieser Woche sind der jüdischen Gemeinde 7 Psalmen aus der Bibel zum Nachdenken und Meditieren aufgebeben

Darunter der 64. Psalm:

 

Überschreiben mit „Bitte um den Schutz vor bösen Anschlägen“:

„Höre Gott, meine Stimme in meiner Klage

Behüte mein Leben vor dem schrecklichen Feind.

Verbirg mich vor den Anschlägen der Bösen

Vor dem Toben der Übeltäter

Die ihre Zungen schärfen wie ein Schwert und mit ihren giftigen Worten zielen sie wie mit Pfeilen und plötzlich schießen sie ohne Scheu.“

 

Es ist unser gemeinsames biblisches Gebetsbuch, aus dem diese Text stammt. Gebete, in denen keine menschliche Erfahrung und kein Gefühl ausgespart wird. Klare Worte für die Klage über furchtbare Erfahrungen und wunderbare Worte für die Sehnsucht nach dem Gegenteil:

Psalm 85 „Oh könnte ich doch hören, was Gott der Herr redet.

Dass in unserem Land Ehre wohnt;

Güte und Wahrhaftigkeit einander begegnen und Gerechtigkeit und Frieden sich küssen.“

 

In unserer gemeinsamen Tradition ist vor Gott und den Menschen vieles erlaubt:

Erlaubt ist, zutiefst enttäuscht sein

Erlaubt ist zornig sein

Nicht erlaubt ist zu hassen

Verboten ist zu hassen

Denn Hass öffnete dem Töten die Tür

 

Egal wie der Hass begründet ist, und wenn er scheinbar noch so logisch begründet ist, ja auch wenn er scheinbar religiös begründet wird:

Hass ist ein Angriff auf die biblische oder humanistische Idee vom Menschsein.

Für gläubige Menschen ein direkter Angriff auf den Schöpfer der Menschen und der Welt.

 

Hass ist Gotteslästerung!

 

Deshalb mit dem Motto des gerade zu Ende gegangenen Kirchentags: Schaut hin und nicht weg! Lasst euch nicht täuschen! Geht los und gebt der Solidarität ein Gesicht!"