Rummelsberger fordern "Leitkultur der Mitmenschlichkeit"

Diakon Werner Pfingstgraef, Fachbereichsleiter Migration und Flüchtlinge der Rummelsberger Diakonie e.V., Prof. Dr. Stefan Ark Nitsche, Aufsichtsratsvorsitzender der Rummelsberger Diakonie e.V., und Dr. Günter Breitenbach, Vorstandsvorsitzender der Rummelsberger Diakonie e.V.

Nürnberg (epd). In Kirchen und Wohlfahrtsverbänden wächst Widerstand gegen flüchtlingsfeindliche Debatten und eine Politik der Abschottung. Die Kirchen hätten sich in letzter Zeit wegen der "Wahlkampfsituation" zurückgehalten, aber nun müssten sie sich wieder mehr und lauter äußern, sagte am Montag der Vorstandsvorsitzende der Rummelsberger Diakonie, Pfarrer Günter Breitenbach. Er kritisierte heftig den derzeitigen Ton in der Asyldebatte, die darauf abziele, eine Abschottungslinie mehrheitsfähig zu machen. Dies sei aber eine "politische Fehlkalkulation".

Der Aufsichtsratvorsitzende der Rummelsberger, der Nürnberger evangelische Regionalbischof Stefan Ark Nitsche, forderte mehr Sachlichkeit in der Debatte, "damit Nachdenklichkeit und Vernunft zurückkehren". Gemeinsam sprachen sie sich mit zehn Thesen für eine "Leitkultur der Mitmenschlichkeit" im Land aus. Darin heißt es unter anderem, der christliche Auftrag, Fremde zu beherbergen, "ist für uns nicht verhandelbar". Man lehne eine Politik der Abschottung und Forderungen nach einer grundlegenden Asylwende ab.

Nitsche und Breitenbach betonten weiter, dass die Verantwortung Deutschlands nicht an den Grenzen ende. Nur der habe das moralische Recht, eine Begrenzung von Armutsmigration zu fordern, "wer ein Vielfaches an Bemühungen in die Entwicklung Afrikas und die Befriedung des Nahen Ostens gesteckt und dabei auch Erfolge erzielt hat". Breitenbach nannte als Vorbild die Zusammenarbeit der Kirchen mit Tansania. Aus diesem afrikanischen Land gebe es keine Flüchtlingsströme, sagte er.

Irritiert zeigten sich der Regionalbischof und der Rummelsberger Diakonie-Vorstand von einer öffentlichen Diskussion, die suggeriere, dass Flüchtlinge nicht die christliche humanistische Prägung und die Werte des Grundgesetzes achteten. In ihrer Flüchtlingsarbeit machten die Rummelsberger hier andere Erfahrungen, hieß es. Außerdem kritisierte man eine Verwaltungspraxis, die "humane Spielräume immer weniger nutzt", sondern einem politischen Klima, das auf Abweisung setze, "gefällig sein will".

Für junge Flüchtlinge, die kein Bleiberecht hätten, aber bereits gut integriert sind, muss nach Ansicht der Rummelsberger unabhängig vom ursprünglichen Fluchtgrund ein "Spurwechsel" zur beruflichen Integration möglich sein. Dies gebiete nicht nur die Humanität, sondern auch die wirtschaftliche Lage. Arbeitgeberverbände und die deutsche Industrie seine "voll auf unserer Linie". Die Asylbewerber nicht arbeiten zu lassen sei "ein unvernünftiges Vorgehen", sagte Breitenbach.

Die Rummelsberger Diakonie in Rummelsberg bei Nürnberg ist einer der großen diakonischen Träger in Deutschland. In etwa 200 Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, Flüchtlinge, Senioren und Menschen mit Behinderung in Bayern sind mehr als 5.600 Mitarbeiter beschäftigt. Geistlicher Kern des Sozialunternehmens sind die 950 in der Rummelsberger Brüderschaft zusammengeschlossenen Diakone und die knapp 300 Frauen zählende Gemeinschaft der Diakoninnen.

Foto (v.l.n.r.):

Diakon Werner Pfingstgraef, Fachbereichsleiter Migration und Flüchtlinge der Rummelsberger Diakonie e.V.,
Prof. Dr. Stefan Ark Nitsche, Aufsichtsratsvorsitzender der Rummelsberger Diakonie e.V.,
und Dr. Günter Breitenbach, Vorstandsvorsitzender der Rummelsberger Diakonie e.V.

Fotoverweis: Rummelsberger Diakonie/ Andrea Wismath

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